Die Bürgerinitiative fragt die Stadt Gießen:

Was ist daran ökologisch und nachhaltig, wenn Tiere getötet oder aus ihrem Lebensraum vertrieben werden, wenn Vorkommen seltener Pflanzen Blumenrabatten geopfert und Menschen aus ihren Naherholungsgebieten ausgesperrt werden?


20.03.2014
Bürgerinitiative "Wieseckaue"
Martina Lennartz

In gut einem Monat beginnt die Landesgartenschau (LaGa) in der Stadt Gießen: Das Motto dieses Spektakels lautet „Auf zu neuen Ufern“. Angekündigt als ökologische und nachhaltige Veranstaltung, spricht die bisherige Bilanz eine ganz andere Sprache.

Die Kernzone der LaGa liegt in der Wieseckaue, einem für die Gießener Bürger freizugänglichen Parkgelände, in dessen Zentrum sich zwei naturnahgestaltete Gewässer befinden. Ein nachweislich artenreiches und vielfältig strukturiertes Areal, das sowohl Erholungssuchenden als auch zahlreichen Pflanzen und Tieren Platz bot. Mit der Entscheidung hier die LaGa durchzuführen wurde und wird der Bevölkerung ein beliebtes Naherholungsgebiet für fast 18 Monate vorenthalten.

Darüber hinaus wurde der Lebensraum von zum Teil seltenen Tieren und Pflanzen in großen Teilen zerstört: seit Januar 2012 wurden mindestens 350 Bäume gefällt. Die Ufervegetation
des Schwanenteichs wurde massiv aufgelichtet
, obwohl ein erfolgreiches Bürgerbegehren für den Erhalt dieser vielschichtigen und ökologisch wichtigen Struktur vom Gießener Stadtparlament angenommen wurde. Die Konsequenz: kein überhängender Bewuchs und somit u.a. kein Brutraum mehr für eine der größten Populationen des Teichhuhns in Mittelhessen und der Verunstaltung eines beliebten Spazierweges.

Orchideenstandorte fielen dem blechernen Quellgarten und anderen Elementen zum Opfer, der Lebensraum vieler Wildbienen wurde zerstört, Kaninchen wurden und werden rigoros gejagt: erst mit Frettchen, dann mit Waffen.

Ein Ende dieses Feldzuges gegen die natürlichen Bewohner der Aue ist nicht abzusehen, denn der milde Winter sorgt dafür, dass alle Pflanzen in ihrer normalen Entwicklung bereits mehrere Wochen voraus sind. So blühen die ersten gepflanzten Zwiebelblumen, Gräser, Stauden, Wicken und auch die ersten Beikräuter. Werden jetzt chemische Keulen eingesetzt, um den unerwünschten Aufwuchs zu beseitigen? Werden auch Insekten und kleine Tierchen, z.B. Schnecken, Blattläuse und Käfer, gern als „lästige Störenfriede“ bezeichnet, ebenfalls massiv mit chemischen Mitteln bekämpft? Maßnahmen, die den geschützten Maulwurf, der auch in größerer Zahl vorkommt, gefährden.
Wir fragen die Stadt Gießen und die Verantwortlichen der Landesgartenschau in Gießen, wie sie mit dem Maulwurf umgehen werden?

Schlussendlich stellt die Bürgerinitiative fest, dass für Hessens größtes Gartenfest Tiere und Pflanzen, die dort über Jahrzehnt ihr Dasein fristeten, weichen müssen. Wir fragen ebenso:

* Wo ist die Nachhaltigkeit der LaGa, wenn derart massiv in den Lebensraum von Tieren und Pflanzen, aber auch in den des Menschen eingegriffen wird?
* Wo ist die Nachhaltigkeit, wenn über torffreies Gärtnern aufgeklärt werden soll, aber torffreie Blumenerde bei der LaGa selbst nicht zum Einsatz kommt?
* Wo ist die Nachhaltigkeit, wenn das Catering nicht, wie vor der LGS angeregt, aus ökologisch und biologisch produziertem Angebot besteht?
* Wo ist die Ökologie, wenn durch die Großveranstaltung der Verkehr in der Stadt zunimmt? Das Gros der Besucher wird mit dem Auto anreisen.

Unser Standpunkt dazu: Da kann man als Konsequenz der Veranstaltung nur fernbleiben.